Die Antwort des Berliner Senats auf eine Schriftliche Anfrage zur Personalentwicklung bei der Feuerwehr und zur Auslastung des Rettungsdienstes macht deutlich, wie stark das System weiterhin belastet ist. Für den Zeitraum vom 9. September 2024 bis zum 26. Februar 2026 nennt der Senat 617 Ausrufe der Auslastungsstufe 1, 721 Ausrufe der Auslastungsstufe 2 und 78 Ausrufe der Auslastungsstufe 3. [1]
Schon diese Zahlen sprechen für sich. Sie zeigen, dass es sich nicht um einzelne Belastungsspitzen handelt, sondern um ein wiederkehrendes und strukturelles Problem der Einsatzsteuerung. Gerade die hohe Zahl der Ausrufe der Stufen 1 und 2 deutet darauf hin, dass das Berliner Rettungsdienstsystem über längere Zeiträume an oder über der Belastungsgrenze gearbeitet hat. [1]
Auffällig ist dabei, dass die Anfrage nicht nur die operative Lage, sondern zugleich auch die personelle Entwicklung der Berliner Feuerwehr in den Blick nimmt. Zum Stichtag 31. Januar 2026 waren von 5.213,00 Stellen insgesamt 4.825,69 Vollzeitäquivalente besetzt. Im Einsatzbetrieb und in der Einsatzsteuerung bestehen damit weiterhin spürbare Differenzen zwischen vorhandenen Stellen und tatsächlicher Besetzung. [1] Das ist für die Bewertung der Auslastungsstufen wichtig, weil hohe Systembelastung und Personalengpässe typischerweise nicht getrennt voneinander zu betrachten sind.
Hinzu kommt, dass Berlin zwar weiter ausbildet und Personal aufbaut, der Bedarf aber offenkundig hoch bleibt. In der Rettungsdienstschule starten nach Angaben des Senats alle zwei Monate 30 Auszubildende, aktuell befanden sich 462 Personen in der dreijährigen Berufsausbildung im Zugangsweg „112 Medic“. [1] Das zeigt einen erheblichen Ausbildungsaufwand, zugleich aber auch, wie groß der Ersatz- und Erweiterungsbedarf im System offenbar ist.
Für die rettungsdienstpolitische Diskussion ist das relevant. Berlin ist zwar aufgrund seiner Großstadtstruktur nicht ohne Weiteres mit Flächenländern vergleichbar. Gleichwohl liefern die dokumentierten Auslastungsstufen einen belastbaren Hinweis darauf, wie stark Leitstellen, Rettungsmittel und Personal unter Druck geraten können, wenn Nachfrage, Vorhaltung und Personalverfügbarkeit nicht mehr sauber zusammenpassen. [1]
Der Blick nach Berlin lohnt sich deshalb auch über die Hauptstadt hinaus. Die Zahlen sind kein bloßer Betriebswert, sondern ein Indikator für die Frage, wie robust ein Rettungsdienstsystem unter Alltagsbelastung tatsächlich noch ist. [1]
Fundstellen
[1] Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/25322, Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Vasili Franco (GRÜNE) vom 25.02.2026, Personalentwicklung bei der Feuerwehr und Auslastung Rettungsdienst, Antwort des Senats vom 12.03.2026.