Gewalt gegen Einsatzkräfte in Niedersachsen: Ein Problem, das wächst

Gewalt gegen Einsatzkräfte in Niedersachsen: Ein Problem, das wächst

Wer im Notfall hilft, wird in Niedersachsen immer öfter selbst zum Ziel von Gewalt. Das zeigt die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage im Landtag: 2025 wurden insgesamt 360 Fälle von Gewalt gegen Einsatzkräfte erfasst, davon 298 gegen sonstige Rettungsdienste und 70 gegen die Feuerwehr. 2020 lagen die Zahlen noch bei 207 Fällen insgesamt, darunter 178 im Rettungsdienst und 29 bei der Feuerwehr. [1]

Besonders ins Auge fallen die Deliktsgruppen, die den Einsatzalltag unmittelbar treffen. Im Bereich der sonstigen Rettungsdienste wurden 2025 unter anderem 147 Fälle tätlicher Angriffe und 71 Bedrohungen registriert. Bei der Feuerwehr waren es 36 tätliche Angriffe und 14 Bedrohungen.

Zugleich ist bei der Einordnung der Entwicklung zu berücksichtigen, dass eine gestiegene Sensibilität der Einsatzkräfte, verbesserte Meldestrukturen und eine höhere Bereitschaft zur Anzeige die Fallzahlen ebenfalls beeinflussen können.

Die Statistik spricht also klar für ein ernstes Problem, erklärt aber nicht automatisch jede Steigerung allein mit einer tatsächlichen Zunahme der Gewalt. [1]

Die Landesregierung hält dazu fest, dass Angriffe auf Einsatz- und Rettungskräfte inakzeptabel seien und konsequent strafrechtlich verfolgt werden müssten.

Zudem verweisen die niedersächsischen Generalstaatsanwälte darauf, dass Einstellungen aus Opportunitätsgründen bei Straftaten gegen Hilfeleistende regelmäßig nicht in Betracht kommen, wenn ein Bezug zum Dienst besteht. Das ist rechtlich ein wichtiges Zeichen, praktisch aber nur ein Teil der Antwort. [1]

Auf Prävention und Nachsorge setzt das Land bereits. Eingerichtet wurde eine Koordinierungsstelle „Gewalt gegen (nicht-polizeiliche) Einsatzkräfte“, hinzu kommen Fachtagungen, PSNV-bezogene Lehrgänge, Sensibilisierung in Führungslehrgängen der Feuerwehr sowie Deeskalationsangebote im Rettungsdienst. Für 2026 sind zudem Selbstschutztrainings für Angehörige des Rettungsdienstes angekündigt. [1]

Das alles ist sinnvoll, reicht für sich genommen aber nicht aus. Wer täglich in belastende Lagen geht, braucht nicht nur Nachsorge und Schulung, sondern auch spürbaren Schutz, klare Rückendeckung und eine konsequente Reaktion des Rechtsstaats. Die Zahlen aus Niedersachsen zeigen jedenfalls, dass der Handlungsdruck hoch bleibt. [1]

Fundstellen:

[1] Niedersächsischer Landtag, Drucksache 19/10199, „Gewalt gegen Einsatz- und Rettungskräfte“, Kleine Anfrage zur kurzfristigen schriftlichen Beantwortung gemäß § 46 Abs. 2 GO LT mit Antwort der Landesregierung, Antwort des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres, Sport und Digitalisierung namens der Landesregierung vom 23.03.2026, verteilt am 25.03.2026. 

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