{"id":11516,"date":"2026-03-31T12:00:00","date_gmt":"2026-03-31T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/m-pet.de\/?p=11516"},"modified":"2026-04-13T12:41:48","modified_gmt":"2026-04-13T10:41:48","slug":"hessen-hilfsfristen-messbar-aber-die-datentiefe-zur-realen-einsatzlage-bleibt-begrenzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/m-pet.de\/?p=11516","title":{"rendered":"Hessen: Hilfsfristen messbar, aber die Datentiefe zur realen Einsatzlage bleibt begrenzt"},"content":{"rendered":"\n<p>Mehrere aktuelle Drucksachen des Hessischen Landtags zeigen ein recht klares Bild: Das Land kann die Rettungsdienstlage bei den&nbsp;<strong>Hilfsfristen<\/strong>&nbsp;vergleichsweise gut darstellen, bei Fragen der tats\u00e4chlichen&nbsp;<strong>Systemsteuerung<\/strong>, von&nbsp;<strong>minderdringlichen Eins\u00e4tzen<\/strong>&nbsp;und der&nbsp;<strong>Nichtverf\u00fcgbarkeit von Ressourcen<\/strong>&nbsp;bleibt die Datengrundlage dagegen begrenzt. [1][2][3][4]<\/p>\n\n\n\n<p>Die Landesregierung verweist zun\u00e4chst auf die gesetzliche Struktur des Systems. Tr\u00e4ger des bodengebundenen Rettungsdienstes sind in Hessen die&nbsp;<strong>Landkreise und kreisfreien St\u00e4dte<\/strong>; sie nehmen diese Aufgabe als Selbstverwaltungsangelegenheit wahr und verantworten auch die Hilfsfrist nach dem Hessischen Rettungsdienstgesetz. Die Hilfsfrist dient dabei ausdr\u00fccklich als&nbsp;<strong>Planungsgr\u00f6\u00dfe<\/strong>&nbsp;f\u00fcr die Rettungsdienstbereichspl\u00e4ne. Bei \u00dcberschreitungen sind die Tr\u00e4ger verpflichtet,&nbsp;<strong>halbj\u00e4hrliche Einzelfallanalysen<\/strong>&nbsp;vorzunehmen und daraus Optimierungsbedarfe f\u00fcr die Fortschreibung der Bereichspl\u00e4ne abzuleiten. [1][2]<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Hilfsfristerreichung liegen landesweite \u00dcbersichten vor. In der Anlage zu Drucksache&nbsp;<strong>21\/3140<\/strong>&nbsp;wird f\u00fcr&nbsp;<strong>Gesamt-Hessen<\/strong>&nbsp;eine Erreichung&nbsp;<strong>innerhalb von 10 Minuten<\/strong>&nbsp;von&nbsp;<strong>85,14 % im Jahr 2022<\/strong>,&nbsp;<strong>85,74 % im Jahr 2023<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>85,99 % im Jahr 2024<\/strong>&nbsp;ausgewiesen.&nbsp;<strong>Innerhalb von 15 Minuten<\/strong>&nbsp;lagen die Werte bei&nbsp;<strong>97,27 %<\/strong>,&nbsp;<strong>97,33 %<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>97,48 %<\/strong>. Zugleich zeigen die Tabellen deutliche regionale Unterschiede; einzelne Rettungsdienstbereiche liegen bei den 10-Minuten-Werten deutlich unter dem Landesdurchschnitt. [1]<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade an diesem Punkt wird aber die Grenze der hessischen Datenlage sichtbar. In derselben Drucksache erkl\u00e4rt die Landesregierung, ihr seien&nbsp;<strong>keine F\u00e4lle<\/strong>&nbsp;bekannt, in denen Rettungsmittel trotz Alarmierungsbedarf nicht sofort disponiert werden konnten, Rettungsdienstbereiche eine \u00dcberlastung oder Unterdeckung gemeldet h\u00e4tten oder Rettungswachen wegen personeller Unterbesetzung zeitweise im regul\u00e4ren Betrieb eingeschr\u00e4nkt gewesen seien. F\u00fcr ausgefallene oder herabgestufte Rettungsmittel und f\u00fcr F\u00e4lle vor\u00fcbergehend fehlender disponibler Rettungsmittel verweist sie allerdings zugleich darauf, dass diese Daten bei den jeweiligen Tr\u00e4gern vorl\u00e4gen und&nbsp;<strong>von einer landesweiten Abfrage wegen nicht vertretbaren b\u00fcrokratischen Aufwands abgesehen<\/strong>&nbsp;worden sei. [1]<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Linie wird in der sp\u00e4teren Drucksache&nbsp;<strong>21\/3321<\/strong>&nbsp;fortgef\u00fchrt. Dort betont die Landesregierung, dass die Tr\u00e4ger des Rettungsdienstes auch f\u00fcr die&nbsp;<strong>Erhebung der entsprechenden Daten<\/strong>&nbsp;zust\u00e4ndig seien. Auf Landesebene werde auf verschiedene Datenquellen zur\u00fcckgegriffen, etwa Leitstellendaten,&nbsp;<strong>IVENA<\/strong>, Daten der&nbsp;<strong>Koordinierungsstelle f\u00fcr Sekund\u00e4rtransporte<\/strong>, des&nbsp;<strong>Critical Incident Reporting System<\/strong>&nbsp;sowie Erkenntnisse aus Pilotprojekten. Eine eigenst\u00e4ndige landesweite Vollerhebung zu Einsatzl\u00fccken, Nichtverf\u00fcgbarkeiten oder Leitstellen\u00fcberlastungen wird damit aber gerade nicht beschrieben. [2]<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders deutlich wird das Defizit bei den sogenannten&nbsp;<strong>minderdringlichen Eins\u00e4tzen<\/strong>. In Drucksache&nbsp;<strong>21\/3234<\/strong>&nbsp;erkl\u00e4rt die Landesregierung ausdr\u00fccklich, dass ihr zu der Zahl der Eins\u00e4tze&nbsp;<strong>ohne Krankenhaustransport<\/strong>, zum Anteil der Eins\u00e4tze, die&nbsp;<strong>ambulant versorgbar<\/strong>&nbsp;gewesen w\u00e4ren, und zu deren&nbsp;<strong>zeitlicher Verteilung<\/strong>&nbsp;<strong>keine belastbaren Statistiken<\/strong>vorliegen. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass mit der zum&nbsp;<strong>1. Januar 2025<\/strong>&nbsp;in Kraft getretenen \u00c4nderung des Rettungsdienstplans die&nbsp;<strong>landesweite Einf\u00fchrung von Notfall-Krankentransportwagen (N-KTW)<\/strong>&nbsp;erm\u00f6glicht worden sei, um Rettungswagen zu entlasten und f\u00fcr schwere Notf\u00e4lle freizuhalten. [3]<\/p>\n\n\n\n<p>Die nachfolgende Drucksache&nbsp;<strong>21\/3530<\/strong>&nbsp;pr\u00e4zisiert diesen Punkt. Danach sind die f\u00fcr eine landesweit belastbare Statistik notwendigen Daten bei den Tr\u00e4gern, den Zentralen Leitstellen und in der elektronischen Einsatzdokumentation der Leistungserbringer&nbsp;<strong>grunds\u00e4tzlich vorhanden<\/strong>. Im Rahmen des Projekts&nbsp;<strong>\u201eSektoren\u00fcbergreifende ambulante Notfallversorgung\u201c (SaN)<\/strong>&nbsp;w\u00fcrden nun Systeme zur gezielten Auswertung ambulant versorgbarer Rettungsdiensteins\u00e4tze aufgebaut. Vor der Einf\u00fchrung des N-KTW habe es zudem&nbsp;<strong>Pilotprojekte in mehreren Landkreisen und kreisfreien St\u00e4dten<\/strong>&nbsp;gegeben; deren Ergebnisse seien in einer Arbeitsgruppe des Landesbeirats f\u00fcr den Rettungsdienst ausgewertet worden. [4]<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die weitere Patientensteuerung bleibt Hessen dennoch vorsichtig. Nach Drucksache&nbsp;<strong>21\/3530<\/strong>&nbsp;h\u00e4lt die Landesregierung&nbsp;<strong>statistische Zielgr\u00f6\u00dfen oder Reduktionsziele<\/strong>&nbsp;f\u00fcr minderdringliche Rettungsdiensteins\u00e4tze f\u00fcr&nbsp;<strong>wenig zielf\u00fchrend<\/strong>, weil Notfallgeschehen und Einsatznotwendigkeit stark vom Einzelfall abhingen. Als relevante Kennzahlen nennt sie stattdessen den gesamten Behandlungszyklus&nbsp;<strong>vom Notrufeingang bis zur Entlassungsdiagnose<\/strong>. Aussagen zur k\u00fcnftigen Entlastungswirkung st\u00fctzt sie auf Daten aus&nbsp;<strong>IVENA eHealth<\/strong>&nbsp;und den&nbsp;<strong>Zentralen Leitstellen<\/strong>; belastbare landesweit vergleichbare Aussagen sollen vor allem die im SaN-Projekt erhobenen Daten aus den drei Projektlandkreisen erm\u00f6glichen. [4]<\/p>\n\n\n\n<p>Der Befund ist damit recht eindeutig: Hessen kann seine Rettungsdienstlage derzeit vor allem \u00fcber&nbsp;<strong>Hilfsfristen<\/strong>&nbsp;und einzelne Strukturangaben beschreiben. F\u00fcr die politisch besonders wichtigen Fragen, wie h\u00e4ufig der Rettungsdienst bei medizinisch geringem Bedarf beansprucht wird, wie gro\u00df die tats\u00e4chliche Entlastungswirkung neuer Steuerungsinstrumente ist und wie belastbar die reale Ressourcenlage im Alltag wirklich ausf\u00e4llt, arbeitet das Land dagegen noch erkennbar mit einer&nbsp;<strong>unvollst\u00e4ndigen landesweiten Datenbasis<\/strong>. [1][2][3][4]<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Fundstellen<\/strong>:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>[1] Hessischer Landtag, Drucksache&nbsp;<strong>21\/3140<\/strong>&nbsp;vom&nbsp;<strong>09.01.2026<\/strong>,&nbsp;<em>Kleine Anfrage Sascha Herr (fraktionslos): Notarzt- und Rettungsdienstl\u00fccken in Hessen \u2013 reale Einsatzf\u00e4higkeit und Versorgungssicherheit; Antwort der Ministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>[2] Hessischer Landtag, Drucksache&nbsp;<strong>21\/3321<\/strong>&nbsp;vom&nbsp;<strong>17.02.2026<\/strong>,&nbsp;<em>Kleine Anfrage Sascha Herr (fraktionslos): Rettungsdienst in Hessen \u2013 Steuerungsf\u00e4higkeit jenseits statistischer Hilfsfristen; Antwort der Ministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>[3] Hessischer Landtag, Drucksache&nbsp;<strong>21\/3234<\/strong>&nbsp;vom&nbsp;<strong>29.01.2026<\/strong>,&nbsp;<em>Kleine Anfrage Sascha Herr (fraktionslos): Steuerbare Bagatelleins\u00e4tze im hessischen Rettungsdienst und deren systematischen Ursachen; Antwort der Ministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>[4] Hessischer Landtag, Drucksache&nbsp;<strong>21\/3530<\/strong>&nbsp;vom&nbsp;<strong>18.03.2026<\/strong>,&nbsp;<em>Kleine Anfrage Sascha Herr (fraktionslos): Datenbasis, Steuerungsdefizite und politische Verantwortung bei minderdringlichen Eins\u00e4tzen im hessischen Rettungsdienst; Antwort der Ministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrere aktuelle Drucksachen des Hessischen Landtags zeigen ein recht klares Bild: Das Land kann die Rettungsdienstlage bei den&nbsp;Hilfsfristen&nbsp;vergleichsweise gut darstellen, bei Fragen der tats\u00e4chlichen&nbsp;Systemsteuerung, von&nbsp;minderdringlichen Eins\u00e4tzen&nbsp;und der&nbsp;Nichtverf\u00fcgbarkeit von Ressourcen&nbsp;bleibt die Datengrundlage dagegen begrenzt. [1][2][3][4] Die Landesregierung verweist zun\u00e4chst auf die gesetzliche Struktur des Systems. Tr\u00e4ger des bodengebundenen Rettungsdienstes sind in Hessen die&nbsp;Landkreise und kreisfreien St\u00e4dte;<\/p><\/div>\n<div class=\"blog-btn\"><a href=\"https:\/\/m-pet.de\/?p=11516\" class=\"home-blog-btn\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-11516","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles-2"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11516","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11516"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11516\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/m-pet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}